Stand: September 2026
Wird eine Wohnung, ein Haus oder ein Grundstück in der Türkei vererbt, geht das Eigentum erbrechtlich grundsätzlich mit dem Tod auf die Erben über. Im türkischen Grundbuch steht jedoch zunächst weiterhin der Verstorbene als Eigentümer. Damit die Erben über die Immobilie verfügen können, muss der Eigentümerwechsel beim Tapu ve Kadastro Müdürlüğü eingetragen werden. Dieser Vorgang heißt auf Türkisch miras intikali oder veraset yoluyla intikal.
Die Tapu-Umschreibung ist nicht mit dem Verkauf der geerbten Immobilie gleichzusetzen. Zunächst werden alle Erben entsprechend dem Erbschein in das Grundbuch aufgenommen. Erst danach kann die Immobilie verkauft, verschenkt, unter den Erben aufgeteilt oder mit bestimmten Rechten belastet werden.
Für in Deutschland lebende Erben ist das Verfahren meist auch ohne dauerhaften Aufenthalt in der Türkei möglich. Entscheidend sind ein gültiger Erbnachweis, vollständige Personenstandsdokumente und gegebenenfalls eine genau formulierte Vollmacht.
Was bedeutet Tapu-Umschreibung nach einem Todesfall?
Das türkische Wort Tapu bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch sowohl das Grundbuch als auch den ausgestellten Grundbuchnachweis. Verstirbt der eingetragene Eigentümer, wird sein Name nicht automatisch aus dem Register entfernt. Die Erben müssen die Erbfolge nachweisen und die Eintragung beantragen.
Bei der Umschreibung werden insbesondere folgende Angaben übernommen:
- Identität des verstorbenen Eigentümers
- Identität sämtlicher festgestellter Erben
- Art der Eigentümergemeinschaft
- Erbquoten, sofern eine Eintragung als Miteigentum gewählt wird
- bestehende Hypotheken, Pfändungen, Wohnrechte und sonstige Belastungen
Die Umschreibung beseitigt vorhandene Belastungen nicht. Eine Hypothek, ein Nießbrauch, ein Wohnrecht oder eine Pfändung bleibt grundsätzlich bestehen, bis sie auf dem gesetzlich vorgesehenen Weg gelöscht wird.
Welche Unterlagen werden für die Umschreibung benötigt?
Die endgültige Unterlagenliste hängt vom Grundbuchamt, der Immobilie, den Staatsangehörigkeiten und der gewünschten Eigentumsform ab.
Regelmäßig werden benötigt:
- türkischer Erbschein, Mirasçılık Belgesi oder Veraset İlamı
- Identitätsnachweise der beteiligten Erben
- T.C.-Kimlik-Karte, Mavi Kart oder Reisepass
- Angaben zum Grundstück beziehungsweise vorhandener Tapu-Nachweis
- Vollmacht, wenn ein Vertreter handelt
- gegebenenfalls türkische Steuernummer für ausländische Erben
- DASK-Police bei einer versicherungspflichtigen Wohnung oder einem Gebäude
- ausländische Personenstandsurkunden mit den erforderlichen Echtheitsnachweisen und Übersetzungen
- bei Minderjährigen die notwendigen Vertretungs- oder Genehmigungsnachweise
- Zahlungsnachweis über die vom Grundbuchamt berechnete Bearbeitungsgebühr
Die türkische Grundbuchverwaltung nennt insbesondere Identitätsnachweis, Erbschein, Vertretungsnachweis und bei entsprechenden Gebäuden die DASK-Versicherung als zentrale Unterlagen.
Der alte Tapu-Nachweis ist hilfreich, aber nicht immer zwingend, wenn die Immobilie anhand der Registerdaten eindeutig gefunden werden kann. Wichtig sind möglichst genaue Angaben zu Provinz, Landkreis, Stadtteil oder Dorf, Flurstück, Blocknummer und unabhängiger Einheit.
Reicht ein deutscher Erbschein für die Türkei aus?
Bei einer Immobilie in der Türkei sollte grundsätzlich ein türkischer Erbschein eingeholt werden. Befand sich der letzte gewöhnliche Aufenthalt des Verstorbenen in Deutschland oder war der Verstorbene ausschließlich deutscher Staatsangehöriger, reicht ein deutscher Erbschein für die türkische Grundbuchumschreibung nicht automatisch aus.
Ausländische Erbnachweise müssen für Grundbuchzwecke die besonderen Anforderungen des türkischen Rechts erfüllen. Das Grundbuchamt kann eine Bestätigung durch ein türkisches Gericht verlangen. Die türkischen Konsularinformationen weisen ausdrücklich darauf hin, dass ausländische Erbscheine für Grundbuchzwecke nach Artikel 37 des Tapu-Gesetzes von einem türkischen Gericht bestätigt werden müssen.
In der Praxis ist es bei einer türkischen Immobilie häufig schneller und rechtssicherer, unmittelbar ein türkisches Mirasçılık Belgesi beim zuständigen Sulh Hukuk Mahkemesi zu beantragen.
Waren der Verstorbene und alle Erben türkische Staatsangehörige und sind die Familienverhältnisse vollständig im türkischen Personenstandsregister eingetragen, kann ein türkischer Notar den Erbschein häufig unmittelbar ausstellen.
Bei ausländischer Staatsangehörigkeit, deutschen Urkunden, doppelter Staatsangehörigkeit oder widersprüchlichen Registerdaten ist dagegen regelmäßig ein gerichtliches Verfahren notwendig.
Tapu-Umschreibung Schritt für Schritt
1. Todesfall im türkischen Register eintragen lassen
Ist ein türkischer Staatsangehöriger in Deutschland verstorben, sollte der Tod zunächst im türkischen Personenstandsregister registriert werden. Dafür kann über das zuständige türkische Konsulat eine internationale Sterbeurkunde, Formül C, eingereicht werden.
Solange der Verstorbene im türkischen Register noch als lebend erscheint, können Erbschein und Grundbuchumschreibung blockiert werden. Bei ausschließlich deutschen Staatsangehörigen wird der Todesfall dagegen durch deutsche Urkunden gegenüber dem türkischen Gericht und den beteiligten Behörden nachgewiesen.
2. Türkischen Erbschein beschaffen
Der Erbschein nennt alle Erben und deren Anteile. Ein einzelner Erbe kann die Ausstellung beantragen; nicht alle Familienmitglieder müssen gemeinsam vor Gericht erscheinen.
Bei einem Auslandsfall kann ein türkischer Rechtsanwalt den Antrag mit einer entsprechenden Vollmacht übernehmen. Vor der weiteren Bearbeitung sollten Namen, Geburtsdaten, Staatsangehörigkeiten und Erbquoten kontrolliert werden.
Bereits kleine Abweichungen zwischen Reisepass, Personenstandsregister und Erbschein können beim Grundbuchamt Rückfragen auslösen.
3. Geerbte Immobilien ermitteln
Nicht immer kennen die Angehörigen sämtliche Immobilien des Verstorbenen. Türkische Staatsangehörige können geerbte, noch nicht umgeschriebene Immobilien unter bestimmten Voraussetzungen im Web-Tapu-System unter dem Bereich Mirasçısı olduğum taşınmazlar sehen.
Ist die elektronische Zuordnung nicht möglich, kann mit dem Erbschein beim Grundbuchamt eine Suche nach Immobilien des Verstorbenen beantragt werden.
Ein Anwalt kann zusätzlich Registerauszüge mit den darauf eingetragenen Belastungen beschaffen. Eine reine Eigentumsübersicht genügt nicht: Vor der Entscheidung über Annahme, Nutzung oder Verkauf sollten Hypotheken, Pfändungen, Dienstbarkeiten und gerichtliche Verfügungsverbote geprüft werden.
4. Eigentumsform festlegen
Bei mehreren Erben muss entschieden werden, in welcher Form die Eintragung erfolgen soll. Das türkische Recht unterscheidet insbesondere zwischen elbirliği mülkiyeti und paylı mülkiyet.
| Eigentumsform | Bedeutung | Praktische Folge |
|---|---|---|
| Elbirliği mülkiyeti | Gesamthandseigentum der Erbengemeinschaft | Einzelne Erben können nicht unabhängig über einen rechnerischen Anteil verfügen |
| Paylı mülkiyet | Miteigentum mit sichtbaren Bruchteilen | Jeder Erbe wird mit seiner Quote eingetragen und kann grundsätzlich über den eigenen Anteil verfügen |
Ein einzelner Erbe kann die Umschreibung grundsätzlich als elbirliği mülkiyeti beantragen. Für eine unmittelbare Eintragung als paylı mülkiyet müssen grundsätzlich alle Erben selbst oder wirksam vertreten mitwirken. Diese Unterscheidung wird auch in den aktuellen Informationen der türkischen Grundbuchvertretung erläutert.
Die Wahl ist keine bloße Formalität. Soll die Immobilie später verkauft oder einem Erben allein übertragen werden, kann eine passende Eigentumsstruktur zusätzliche Schritte vermeiden.
Bei Streit zwischen den Erben sollte vor der Eintragung geprüft werden, welche Form die eigenen Rechte besser schützt.
5. Antrag beim Grundbuchamt stellen
Der Antrag kann je nach persönlicher Situation über folgende Wege vorbereitet werden:
- Web Tapu
- zuständiges Tapu ve Kadastro Müdürlüğü in der Türkei
- bevollmächtigter Rechtsanwalt oder anderer geeigneter Vertreter
- Tapu- und Katastervertretung am türkischen Generalkonsulat Berlin
- telefonische Voranmeldung über Alo 181
Über Web Tapu können Unterlagen hochgeladen und der Bearbeitungsprozess angestoßen werden. Die Behörde prüft die Dokumente, berechnet die Gebühren und verschickt die Zahlungs- und Termininformationen üblicherweise per SMS oder über die hinterlegten Kontaktdaten.
6. Gebühren bezahlen und Eintragung abschließen
Für die reine Umschreibung aufgrund einer Erbschaft wird nicht dieselbe prozentuale Tapu-Gebühr wie bei einem Kaufvertrag erhoben. Es fällt jedoch regelmäßig ein jährlich angepasster Döner Sermaye Hizmet Bedeli, also eine Bearbeitungs- beziehungsweise Dienstleistungsgebühr der Grundbuchverwaltung, an.
Die konkrete Höhe hängt von der aktuellen Tarifübersicht und teilweise vom zuständigen Grundbuchbezirk ab. Zusätzliche Kosten können durch Übersetzungen, Vollmachten, Apostillen, DASK, Registerauszüge und anwaltliche Vertretung entstehen.
Die angeforderten Grundbuchgebühren können über die elektronischen Zahlungswege der TKGM oder über angeschlossene Banken bezahlt werden.
Nach erfolgreicher Prüfung und Unterzeichnung trägt das Grundbuchamt die Erben ein. Der aktuelle Grundbuchstand kann anschließend über Web Tapu oder e-Devlet kontrolliert werden.
Können Erben die Umschreibung von Deutschland aus erledigen?
Für in Deutschland lebende Erben ist eine persönliche Reise häufig vermeidbar. Eine Möglichkeit ist die Beauftragung eines türkischen Rechtsanwalts. Die Vollmacht sollte nicht nur allgemein auf Gerichtsverfahren lauten, sondern die benötigten Handlungen ausdrücklich erfassen.
Dazu können gehören:
- Beantragung und Entgegennahme des Erbscheins
- Abfrage von Grundbuchdaten und Belastungen
- Beantragung der miras intikali
- Vertretung beim Finanzamt und bei der Gemeinde
- Abschluss oder Verwaltung einer DASK-Police
- Entgegennahme von Zustellungen
- Beantragung von Steuerbescheinigungen
- Erbteilung, Anteilsübertragung oder Verkauf, falls gewünscht
Soll der Bevollmächtigte die Immobilie später verkaufen oder einen Anteil übertragen dürfen, müssen diese Befugnisse eindeutig in der Vollmacht stehen. Eine Vollmacht zur bloßen Umschreibung berechtigt nicht automatisch zum Verkauf.
Die Vollmacht kann häufig bei einem türkischen Generalkonsulat in Deutschland erstellt werden. Eine deutsche notarielle Vollmacht benötigt für die Verwendung in der Türkei im Regelfall eine Apostille sowie eine anerkannte türkische Übersetzung. Der Text sollte vor der Beurkundung mit dem türkischen Anwalt abgestimmt werden.
Eine weitere Möglichkeit bietet die Tapu- und Katastervertretung beim türkischen Generalkonsulat Berlin. Deren Dienstleistungsbereich ist nicht auf Berlin beschränkt. Tapu-Anträge aus anderen deutschen Städten und sogar aus anderen Ländern können ebenfalls angenommen werden.
Der Antrag kann online vorbereitet werden. Zur abschließenden Unterschrift kann dennoch ein persönlicher Termin erforderlich sein.
Erbschaftsteuer vor oder nach der Grundbuchumschreibung?
Die türkische Erbschaftsteuer heißt Veraset ve İntikal Vergisi. Erbschein, Steuererklärung und Tapu-Umschreibung sind drei voneinander zu unterscheidende Verfahren.
Die Erbschaftsteuer muss nicht zwingend vollständig bezahlt sein, bevor die Immobilie erstmals auf die Erben umgeschrieben wird. Solange die auf die Immobilie entfallende Steuer nicht vollständig beglichen und die steuerliche Verbindung nicht aufgehoben ist, kann die Immobilie jedoch grundsätzlich nicht verkauft, verschenkt oder mit bestimmten dinglichen Rechten belastet werden.
Für die spätere Verfügung wird deshalb regelmäßig eine Bescheinigung des Finanzamts benötigt, die als veraset ve intikal vergisi ilişik kesme yazısı bezeichnet wird.
Welche Frist gilt für die Erbschaftsteuererklärung?
Die Abgabefrist richtet sich nach dem Ort des Todes und dem Aufenthaltsort der Erben:
| Situation | Regelmäßige Abgabefrist |
|---|---|
| Tod in der Türkei, Erbe befindet sich in der Türkei | 4 Monate |
| Tod in der Türkei, Erbe befindet sich im Ausland | 6 Monate |
| Tod im Ausland, Erbe befindet sich in der Türkei | 6 Monate |
| Tod im Ausland, Erbe befindet sich im selben ausländischen Staat | 4 Monate |
| Tod im Ausland, Erbe befindet sich in einem anderen ausländischen Staat | 8 Monate |
Verstirbt beispielsweise ein in Deutschland lebender Mensch in Deutschland und wohnen auch die Erben dort, beträgt die reguläre Frist grundsätzlich vier Monate. Die häufig pauschal genannte Sechsmonatsfrist gilt daher nicht für jeden Auslandsfall.
Die Steuererklärung kann von allen Erben gemeinsam oder von einzelnen Erben für den jeweiligen Anteil abgegeben werden. Für Immobilien werden regelmäßig der Erbschein, der Tapu-Nachweis und ein Nachweis der Gemeinde über den maßgeblichen Immobiliensteuerwert des Todesjahres benötigt.
Die festgesetzte Erbschaftsteuer kann grundsätzlich innerhalb von drei Jahren in sechs gleichen Raten gezahlt werden. Die regulären Raten werden jeweils im Mai und November fällig. Eine frühere vollständige Zahlung kann sinnvoll sein, wenn die Immobilie kurzfristig verkauft werden soll.
Gibt es eine Frist für die Tapu-Umschreibung?
Die Erben verlieren die Immobilie nicht automatisch, nur weil die Umschreibung nicht innerhalb weniger Monate vorgenommen wird. Dennoch sollte das Verfahren nicht unbegrenzt aufgeschoben werden.
Ist zwei Jahre nach dem Tod noch keine Erbfolge im Grundbuch eingetragen, kann das Grundbuchamt selbst bei Gericht die Ausstellung eines Erbscheins anstoßen. Das bedeutet nicht, dass nach zwei Jahren das Erbrecht verfällt. Die Vorschrift ermöglicht der Verwaltung jedoch, veraltete Grundbucheinträge von Amts wegen aufarbeiten zu lassen.
Unabhängig davon laufen die Fristen für die Erbschaftsteuererklärung. Außerdem entstehen praktische Risiken: Zustellungen erreichen weiterhin den Verstorbenen, Gebäudeversicherung und Gemeindeunterlagen bleiben ungeklärt und ein späterer Verkauf verzögert sich erheblich.
Was kostet die Tapu-Umschreibung?
Die Kosten hängen stark vom Einzelfall ab. Typische Positionen sind:
- Döner-Sermaye-Gebühr des Grundbuchamts
- Kosten des türkischen Erbscheins
- konsularische oder notarielle Vollmacht
- Apostillen und Übersetzungen
- DASK-Versicherung
- Grundbuch- und Belastungsauszüge
- Steuerberatung oder Anwaltshonorar
- Kurier- und Versandkosten
- Erbschaftsteuer
Bei der reinen Erbeintragung fällt grundsätzlich nicht die bei einem Verkauf übliche Tapu-Gebühr von insgesamt vier Prozent des Kaufpreises an.
Wird die Immobilie anschließend verkauft, verschenkt oder außerhalb der Erbquoten einem bestimmten Erben übertragen, können jedoch neue Gebühren und Steuern entstehen.
Sonderfälle bei geerbten Immobilien
Ausländische Erben
Deutsche und andere ausländische Staatsangehörige können grundsätzlich Immobilien in der Türkei erben. Für sie gelten jedoch die gesetzlichen Beschränkungen des türkischen Grundstücksrechts.
Liegt die Immobilie in einem Gebiet, in dem die betreffende Person kein Grundeigentum halten darf, oder werden gesetzliche Flächen- und Gebietsbeschränkungen überschritten, kann eine Verwertung innerhalb einer behördlich gesetzten Frist notwendig werden.
Mavi-Kart-Inhaber werden in vielen Vermögensangelegenheiten günstiger behandelt als andere ausländische Staatsangehörige. Trotzdem sollten Status, Registereintrag und Identitätsdaten vor dem Antrag geprüft werden.
Mehrere Todesfälle ohne Zwischenumschreibung
Steht die Immobilie noch auf den Großvater und sind danach bereits Kinder oder weitere Erben verstorben, müssen mehrere Erbfolgen nachvollzogen werden.
Für jeden Todesfall wird grundsätzlich der entsprechende Erbnachweis benötigt. Das Grundbuchamt kann mehrere aufeinanderfolgende Erbfälle in einem Verfahren bearbeiten, wenn alle Unterlagen vollständig vorliegen.
Landwirtschaftliche Flächen
Bei landwirtschaftlichen Grundstücken gelten zusätzliche Regeln des türkischen Bodenschutz- und Landwirtschaftsrechts. Nicht jede gewünschte Aufteilung in kleine Anteile ist zulässig.
Je nach gewünschter Eigentumsform oder Übertragung kann eine Stellungnahme der zuständigen Landwirtschaftsbehörde erforderlich sein.
Minderjährige Erben
Minderjährige werden durch ihre gesetzlichen Vertreter vertreten. Bei einer bloßen Eintragung ist die Situation meist weniger problematisch als bei Verkauf, Belastung oder Erbteilung.
Für Verfügungen über den Anteil eines minderjährigen Erben kann eine gerichtliche Genehmigung notwendig sein.
Hypothek, Pfändung oder Wohnrecht
Belastungen werden durch den Erbfall nicht gelöscht. Vor einer Erbteilung oder einem Verkauf sollte deshalb ein aktueller vollständiger Grundbuchauszug einschließlich takyidat, also der eingetragenen Beschränkungen und Belastungen, eingeholt werden.
Elbirliği oder paylı mülkiyet: Welche Form ist sinnvoller?
Die Gesamthandseintragung als elbirliği mülkiyeti kann sinnvoll sein, wenn zunächst nur die Erbfolge dokumentiert werden soll und noch keine Einigung über die weitere Verwendung besteht. Der Nachteil ist, dass wesentliche Entscheidungen grundsätzlich gemeinsam getroffen werden müssen.
Die Eintragung als paylı mülkiyet macht die rechnerischen Anteile sichtbar. Dadurch kann jeder Erbe grundsätzlich über seinen Anteil verfügen.
Allerdings können gesetzliche Vorkaufsrechte anderer Miteigentümer und weitere rechtliche Folgen entstehen. Ein isolierter Anteil an einer Familienimmobilie lässt sich außerdem häufig deutlich schlechter verkaufen als die gesamte Immobilie.
Soll eine Person die Immobilie allein übernehmen, genügt die normale Tapu-Umschreibung nach Erbquoten nicht. Anschließend ist eine Erbteilung, Anteilsübertragung, Schenkung oder ein Verkauf zwischen den Erben notwendig. Dafür werden regelmäßig die Mitwirkung aller Betroffenen und die steuerliche Freigabe benötigt.
Häufige Fehler bei der Tapu-Umschreibung
- deutschen Erbschein ungeprüft beim türkischen Grundbuchamt einreichen
- Tod eines türkischen Staatsangehörigen nicht im türkischen Register nachtragen
- Erbschaftsteuerfrist mit der Frist für die Grundbuchumschreibung verwechseln
- nur die sichtbare Tapu-Seite und nicht die Belastungen prüfen
- Eigentumsform ohne Rücksicht auf den späteren Verkauf auswählen
- Vollmacht lediglich für den Erbschein, nicht aber für Grundbuch und Finanzamt ausstellen
- annehmen, ein einzelner Erbe könne die gesamte Immobilie verkaufen
- DASK und kommunale Immobiliensteuerunterlagen vergessen
- Namensabweichungen zwischen deutschen und türkischen Dokumenten ignorieren
- geerbte Immobilie verkaufen wollen, bevor die Steuerfreigabe vorliegt
Häufig gestellte Fragen
Müssen alle Erben zur Umschreibung erscheinen?
Für eine Eintragung als Gesamthandseigentum kann grundsätzlich ein einzelner Erbe den Antrag stellen. Für eine Eintragung mit getrennten Bruchteilen oder eine anschließende Erbteilung müssen regelmäßig alle Erben selbst oder durch wirksame Vollmacht mitwirken.
Kann die Immobilie sofort auf nur einen Erben eingetragen werden?
Nur wenn dafür eine wirksame rechtliche Grundlage besteht und die übrigen Erben zustimmen beziehungsweise vertreten sind. Die normale Erbeintragung folgt zunächst den im Erbschein festgestellten Anteilen.
Kann die Immobilie vor vollständiger Steuerzahlung umgeschrieben werden?
Die erstmalige Eintragung auf die Erben ist grundsätzlich möglich. Ein anschließender Verkauf, eine Schenkung oder bestimmte Belastungen sind ohne vollständige Begleichung der auf die Immobilie entfallenden Erbschaftsteuer und die entsprechende Finanzamtsbescheinigung regelmäßig nicht möglich.
Ist eine Reise in die Türkei notwendig?
Nicht zwingend. Das Verfahren kann durch einen Bevollmächtigten oder teilweise über die Tapu- und Katastervertretung in Berlin abgewickelt werden. Die Vollmacht und die Identitätsunterlagen müssen jedoch den türkischen Vorgaben entsprechen.
Kann ein Miterbe die Immobilie allein verkaufen?
Nein. Ein Miterbe kann nicht allein die gesamte Immobilie verkaufen. Bei eingetragenem Miteigentum kann er grundsätzlich nur über seinen eigenen Anteil verfügen. Für den Verkauf des gesamten Objekts müssen alle Eigentümer mitwirken.
Fazit: Erbschein, Steuer und Grundbuch getrennt planen
Nach einem Todesfall sollte eine türkische Immobilie möglichst zeitnah auf die Erben umgeschrieben werden. Der zentrale Nachweis ist das Veraset İlamı. Anschließend wird beim Tapu ve Kadastro Müdürlüğü die miras intikali beantragt und die gewünschte Eigentumsform festgelegt.
In Deutschland lebende Erben können das Verfahren häufig über einen türkischen Rechtsanwalt oder die Tapu- und Katastervertretung in Berlin erledigen. Besonders wichtig sind eine ausreichend formulierte Vollmacht, vollständige Personenstandsdokumente, die Prüfung sämtlicher Grundbuchbelastungen und die rechtzeitige Erbschaftsteuererklärung.
Die eigentliche Tapu-Umschreibung, die steuerliche Abwicklung und eine spätere Verteilung oder Veräußerung sind getrennte Vorgänge. Wer diese Reihenfolge beachtet, vermeidet unnötige Reisen, doppelte Gebühren und blockierte Verkaufsverfahren.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung zum türkischen Immobilien- und Erbrecht mit Stand September 2026. Er ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Benötigte Unterlagen, Zuständigkeiten, Eigentumsbeschränkungen und steuerliche Folgen können insbesondere bei ausländischen oder minderjährigen Erben, doppelter Staatsangehörigkeit, Testamenten, landwirtschaftlichen Flächen, Schulden und streitigen Erbengemeinschaften abweichen.